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Mehr Fundament, aber kein Freifahrtschein

12. August 2026

Die Weltwirtschaft gewinnt an Stabilität, die Aktienmärkte markieren neue Höchststände – und dennoch bleibt die Gemengelage ungewöhnlich spannungsreich. Der Iran-Konflikt sorgt nahezu täglich für den Wechsel zwischen Entspannungs- und Eskalationshoffnungen, hohe Ölpreise bringen die Inflation zurück auf die Agenda und der gewaltige KI-Investitionsboom wirkt inzwischen weit über den Aktienmarkt hinaus. Das Fundament wird besser. Ein Freifahrtschein für die Märkte ist das aber noch lange nicht.

Strategische Einschätzung (August 2026)

In die Strategie fließen mittelfristige Indikatoren ein, deren Veränderungen einen Prognosezeitraum von 6-9 Monaten abdecken. Wir betrachten hierbei die Ebenen Makro (Konjunktur), Risikoradar, Saisonalität sowie Marktbreite / technische Faktoren.

Makro: Die globale Konjunktur präsentiert sich im August ausgesprochen robust. Der sentix Global Aggregate steigt zum vierten Mal in Folge und erreicht mit +14,7 Punkten den höchsten Stand seit Februar. Nahezu alle Weltregionen verbessern sich, lediglich Japan kann mit der aktuellen Dynamik nicht mithalten. Das globale Konjunkturregime befindet sich damit inzwischen im „Boom“.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung in Euroland. Der Gesamtindex dreht nach vier Verbesserungen in Folge mit +0,9 Punkten wieder ins Plus. Bemerkenswert ist dabei weniger der leichte Anstieg der Erwartungen auf +10,3 Punkte als vielmehr die kräftige Verbesserung der Lagebeurteilung. Sie steigt um 6,8 Punkte auf -8,0 Punkte. Das bislang sehr erwartungsgetriebene Erholungsbild erhält damit erstmals etwas mehr reale Substanz. Unterstützt wird dies durch robustere Wirtschaftsdaten, zunehmende Investitionen und staatliche Ausgaben.

Chart1: sentix Konjunkturindex Euroland – Lage und Erwartungen
sentix Konjunkturindex Euroland – Lage und Erwartungen]

Auch Deutschland bewegt sich weiter aus seinem konjunkturellen Tief. Die Lage bleibt mit -28,3 Punkten zwar schwach, verbessert sich aber innerhalb eines Monats deutlich. Gleichzeitig steigen die Erwartungen auf den höchsten Stand seit Februar. Von einem Boom kann hier wahrlich noch keine Rede sein – aber aus einer Abwärtsbewegung ist inzwischen eine Stabilisierung geworden.

Die USA bleiben der konjunkturell stärkste große Industriemarkt. Die Lagewerte sind mit +28,5 Punkten ausgesprochen robust, auch die Erwartungen bleiben positiv. Auffällig ist allerdings die erste Schwäche am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig hält der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz unvermindert an. Die enormen Investitionsprogramme wirken konjunkturell stimulierend, erhöhen aber zugleich die Kapitalnachfrage und werden damit zunehmend auch zu einem Faktor für Kreditmärkte und Zinsen.

„Die Konjunktur liefert den Aktienmärkten wieder mehr Fundament. Gleichzeitig werden Inflation und Zinsen zum Preis dieser Stabilisierung.“

Denn mit der verbesserten Konjunktur kehren auch die Inflationsrisiken zurück. Der Iran-Konflikt bleibt hierbei der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Hoffnung auf eine diplomatische Lösung und Sorge vor erneuter Eskalation wechseln sich beinahe täglich ab. Die Ölpreise bleiben entsprechend hoch. Das sentix Themenbarometer „Inflation“ verschlechtert sich im August deutlich, zugleich rechnen die Anleger wieder mit einem restriktiveren geldpolitischen Umfeld. Eine Kombination aus robustem Wachstum, hohen Energiepreisen und enormem Investitionsbedarf ist für die Bondmärkte wenig komfortabel.

Der Makro-Report bestätigt dieses Bild. Für Aktien bauen sich die fundamentalen Risiken weiter ab, wenngleich die Kurse der konjunkturellen Verbesserung bereits vorausgeeilt sind. Bei Bonds weisen dagegen sowohl die Inflationsentwicklung als auch die Konjunkturdynamik auf steigende Renditen hin. Besonders am langen Ende bleibt Vorsicht geboten; zugleich spricht das Makrobild für steilere Zinskurven.

Auch an den Kreditmärkten sollte man genauer hinsehen. Sinkendes Interesse an Unternehmensanleihen, eine stärkere Präferenz für bessere Bonitäten und Auffälligkeiten bei US-High-Yield-Spreads passen nicht recht zum allgemeinen „Risk-on“-Bild. Der KI-Boom sorgt zwar für Wachstum, sein enormer Finanzierungsbedarf ist aber auch ein Stresstest für die Kapitalmärkte.

Im Währungsbereich verbessert sich das Bild für den Euro. Die relative Konjunkturdynamik verschiebt sich zugunsten Eurolands, gleichzeitig ist die Anlegerpositionierung noch vergleichsweise niedrig. Auch gegenüber dem Yen bleibt das Bild interessant: Die zuvor sehr einseitige Positionierung in USD-JPY hat begonnen, sich aufzulösen.

Bei Gold lässt der Makro-Gegenwind langsam nach. Die wieder steigenden Inflationserwartungen helfen dem Edelmetall, gleichzeitig bleibt die Geldpolitik ein begrenzender Faktor. Ein eindeutiges Makro-Kaufsignal ergibt sich daraus noch nicht – aber die Ausgangslage ist günstiger als noch vor einigen Monaten.

Aktuelle Konjunkturindex: Anstieg Nummer 4

Im sentix Risikoradar überwiegen bei Aktien derzeit moderate Chancen. Entscheidend hierfür ist vor allem das zuvor deutlich eingetrübte Sentiment. Besonders bei Technologiewerten haben Korrektur, Unterinvestierung und Skepsis wieder ein interessanteres Chancenprofil geschaffen. Auch bei europäischen Aktien war die professionelle Positionierung zuletzt ausgesprochen defensiv.

Bei Bonds ist das Bild zweigeteilt. Das schlechte Sentiment könnte kurzfristig eine Gegenbewegung ermöglichen. Strategisch bleiben die Risiken aber erhöht. Genau umgekehrt stellt sich die Lage bei Gold dar: Die Markttechnik signalisiert nach der vorangegangenen Schwäche erste Chancen, während die Positionierung noch keinen ausgeprägten Rückenwind liefert. Bei Rohöl sind die Risiken nach dem erneuten Aufflammen des Iran-Konflikts dagegen gestiegen. Die Anlegerstimmung ist bereits sehr positiv – und damit zunehmend anfällig für Enttäuschungen.

Unter saisonalen Gesichtspunkten beginnt nun eine der schwierigeren Phasen des Aktienjahres. August und September zählen historisch zu den volatileren und schwächeren Monaten. Auch der US-Präsidentschaftszyklus und historische Vergleichsjahre sprechen eher für eine schwankungsreiche Seitwärtsbewegung als für eine geradlinige Fortsetzung der bisherigen Hausse. Gleichzeitig deutet das saisonale Muster des VIX auf zunehmende Schwankungen in den kommenden Wochen hin.

Günstiger ist die Saisonalität bei Gold. Das Edelmetall erhält normalerweise bis in den September hinein Rückenwind. Auch Bonds profitieren grundsätzlich von einem günstigeren Saisonmuster – allerdings steht dieses derzeit im klaren Widerspruch zum Inflations- und Makrobild. Beim Rohöl haben die geopolitischen Entwicklungen die historischen Muster weitgehend überlagert.

Taktische Signale

Über das Sentiment und den Strategischen Bias erhalten wir kurzfristige Signale für die Märkte. Diese decken einen Prognosezeitraum von 6-12 Wochen ab und werden modellorientiert bewertet.

Am Aktienmarkt haben sich die taktischen Voraussetzungen in den vergangenen Wochen verbessert. Noch Ende Juli beziehungsweise Anfang August dominierten Skepsis und eine hohe Zahl neutral gestimmter Anleger. Mit den jüngsten Allzeithochs ist die Stimmung nun jedoch deutlich angesprungen. Gleichzeitig steigt das strategische Grundvertrauen – und genau diese Kombination ist entscheidend.

Bei US-Aktien stellt die Verbesserung des Strategischen Bias einen konstruktiven mittelfristigen Impuls dar. Kurzfristig ist die Lage weniger eindeutig. Die Zahl der Bären ist inzwischen sehr niedrig, was auf Sicht der kommenden Wochen eher gegen eine Fortsetzung der Kursdynamik spricht. Der Markt besitzt also mehr strategische Unterstützung, ist taktisch aber bereits wieder deutlich weniger unbeliebt.

Bei deutschen Aktien fällt besonders die zunehmende Überzeugung der professionellen Anleger auf. Der Strategische Bias der Institutionellen hat zuletzt deutlich stärker angezogen als derjenige der Privatanleger. Historisch ist ein solcher „Spread-Impuls“ positiv zu bewerten. Gleichzeitig steigt das kurzfristige Sentiment schneller als die strategische Überzeugung. Der Time-Differential-Index notiert damit inzwischen wieder an der Nulllinie – ein Hinweis darauf, dass die Kursentwicklung in den kommenden Wochen weniger einseitig werden dürfte.

Chart2: sentix Strategischer Bias Aktien Deutschland – Institutionelle vs. Private
sentix Strategischer Bias Aktien Deutschland – Institutionelle vs. Private]

„Das Grundvertrauen steigt – aber der einfache Teil der Bewegung könnte zunächst hinter uns liegen.“

Etwas zurückhaltender bleibt das Bild bei den US-Technologieaktien. Der KI-Investitionsboom sorgt zwar für eine enorme wirtschaftliche Dynamik. Das strategische Anlegervertrauen in Technologiewerte bleibt aber hinter dem breiten US-Markt zurück. Damit entsteht eine interessante Diskrepanz zwischen realwirtschaftlicher Investitionseuphorie und der Einschätzung der Anleger.

Deutlich konstruktiver sind die Signale bei Gold und Silber. Dort sind die Sentimentwerte kräftig gestiegen, gleichzeitig verbessert sich aber auch der Strategische Bias. Damit handelt es sich nicht nur um kurzfristige Euphorie. Vor allem bei Silber ist die strategische Überzeugung bislang noch nicht in entsprechend hohe Positionierungen übersetzt worden. Kurzfristige Konsolidierungen wären nach dem Stimmungsanstieg deshalb nicht überraschend, das mittelfristige Bild bleibt aber freundlich.

Bei Bonds fehlt ein vergleichbarer Vertrauensimpuls. Trotz höherer Renditen erkennen die Anleger bislang kaum mehr strategischen Wert in Staatsanleihen. Das bestätigt unsere Zurückhaltung gegenüber längeren Laufzeiten.

Auch bei EUR-USD verbessert sich das taktische Bild. Das strategische Grundvertrauen steigt deutlich, während die Positionierung noch niedrig ist. Zusammen mit dem saisonalen Rückenwind entsteht damit eine Konstellation, die eine festere Euro-Tendenz begünstigt.

Zusammenfassung

Die strategischen und taktischen Signale werden additiv berücksichtigt und ergeben die finale Positionierung, welche sich in den sentix-Fonds wiederfindet.

Unsere Haltung gegenüber Aktien hat sich gegenüber dem Frühjahr deutlich verändert. Die globale Konjunkturerholung gewinnt an Breite, in Euroland ziehen inzwischen auch die Lagewerte nach und das strategische Anlegervertrauen verbessert sich. Gleichzeitig haben die zwischenzeitliche Skepsis und defensive Positionierung taktische Einstiegsmöglichkeiten eröffnet. Entsprechend wurden Aktienpositionen in den vergangenen Wochen antizyklisch erhöht.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass wir den Risiken keine Bedeutung mehr beimessen. August und September sind saisonal anspruchsvoll, die kurzfristige Stimmung hat sich bereits deutlich aufgehellt und die geopolitischen Risiken bleiben hoch. Zudem bringt die Kombination aus hohen Ölpreisen, verbessertem Wachstum und enormem KI-Investitionsbedarf neue Inflations- und Zinsrisiken mit sich. Deshalb bleibt die Steuerung der Aktienquote trotz des konstruktiveren Grundbildes aktiv.

Bei Bonds halten wir an einer defensiven Haltung fest. Die bessere Konjunktur, wieder steigende Inflationserwartungen und strukturell hohe Kapitalnachfrage sprechen aus unserer Sicht weiterhin gegen einen ausgeprägten Aufbau von Durationsrisiken. In den Multi-Asset-Strategien bleibt die Rentenpositionierung entsprechend zurückhaltend.

Edelmetalle haben dagegen an Attraktivität gewonnen. Gold und Silber profitieren von einer konstruktiveren Kombination aus Markttechnik, Saisonalität und steigendem strategischen Grundvertrauen. Entsprechend wurden die Positionen in diesem Bereich zuletzt wieder ausgebaut; auch Goldminen bleiben eine relevante Beimischung.

Im Währungsbereich bleibt der Yen ein wichtiger Bestandteil der strategischen Überlegungen. Die zuvor aufgebauten Positionierungsrisiken bei USD-JPY haben begonnen, sich zu materialisieren. Gleichzeitig verbessert sich auch das relative Bild für den Euro.

Unterm Strich ist das Marktumfeld damit konstruktiver als noch vor einigen Monaten – aber auch komplexer. Mehr Konjunktur bedeutet derzeit nicht automatisch weniger Risiko. Gerade die Kombination aus Wachstum, geopolitisch hohen Energiepreisen und einem kapitalintensiven KI-Boom könnte dafür sorgen, dass die Zinsfrage im zweiten Halbjahr wieder stärker in den Mittelpunkt rückt.

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Wie sich unsere Fonds in diesem Umfeld positionieren und wie die Entwicklung im abgelaufenen Monat war, erfahren Sie je nach Fonds hier:

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