Strategie August 2021

Während institutionelle Anleger mit Blick auf die Sommermonate zunehmend unruhiger werden, bleiben die Privatanleger weiter sehr entspannt - und offensiv in den Depots ausgerichtet. Das hat sich bisher in diesem Jahr ausgezahlt. Doch es ziehen Gewitterwolken an den Märkten auf, die ihre Ursache in den Frachtkosten der Handelsgüter haben.

Boomende Weltwirtschaft, steigende Preise

Die Weltwirtschaft befindet sich im Boom. Angefeuert von einer Politik des billigen Geldes und hoher staatlicher Ausgaben, läuft die Weltkonjunktur auf Hochtouren. Obwohl in den meisten Staaten wesentliche, pandemiebedingte Einschränkungen im ökonomischen Bereich aufgehoben wurden und damit nach dem verarbeitenden Gewerbe nun auch der Dienstleistungsbereich wieder deutlich besser läuft, hat sich an der Politik der monetären und fiskalischen Stimulierung nur wenig geändert.

So verwundert es nicht, dass sich die Anzeichen einer ökonomischen Überhitzung mehren. Am deutlichsten spüren die Verbraucher dies bei den Energiepreisen. Wurde Rohöl im Mai 2020 in den USA an einigen Tagen sogar zu einem negativen Preis gehandelt, notiert die für Europa wichtige Ölsorte "Brent" mit 73 US-Dollar so hoch wie zuletzt 2019. Seit Jahresanfang steht ein Anstieg von mehr als 50% zu Buche. Doch nicht nur die Ölpreise steigen. Ein Blick auf die Dynamik von Produzenten- und Konsumentenpreisen verdeutlicht, dass die Preisauftriebskräfte umfassend aktiviert sind.

So steigen die Produzentenpreise im verarbeitenden Gewerbe in den EU aktuell mit einer Jahresrate von 7,4%. Das umfassende Aggregat für die USA steigt gar um 9,4% p.a.! Diese Preissteigerungen auf den Vorstufen werden aktuell weitgehend auf die Verbraucherpreise überwälzt. Während in den letzten 20 Jahren der hohe Wettbewerbsdruck und die nicht vollen Auslastungen der Kapazitäten Preisdruck auf den Vorstufen immer wieder dämpfte, sehen sich die Unternehmen mehr und mehr in der Lage - aber auch mit der Notwendigkeit konfrontiert - die Preise an ihre Endkunden weiterzugeben. Die Folge ist, dass auch die Konsumentenpreise in den USA derzeit in einem Ausmaß steigen, welches wir zuletzt 2008 bzw. 1990 (!) gesehen haben: nämlich um 5,4% p.a.

Auch in der Eurozone steigen die Konsumentenpreise. Zwar liegt hier die Steigerungsrate mit einem Wert von 2,2% deutlich unter dem Niveau der USA. Aber immerhin ist auch hier für die Eurozone ein überdurchschnittliches Niveau erklommen worden. Und angesichts des Bekenntnisses der EZB, Überschreitungen des Inflationsziels von 2% zu tolerieren, ja sogar mit weiteren Anleihekäufen im Volumen von aktuell rund 40 Mrd. Euro je Woche die Inflation noch anzuheizen, dürfte es nicht überraschen, wenn auch in der Eurozone in den nächsten Monaten Inflationsraten von 4% wie 2008 erreicht werden dürften.

Frachraten für Container-Schiffe China nach USA (Freightos)

Anzahl Container-Schiffe auf See vs. MSCI Weltaktienindex

Wachstumsraten wie am Neuen Markt

Steigende Inflationsraten sind für Sachwertanlagen prinzipiell ein unterstützender Fakt. Jedoch stellt die Inflation auch immer einen gewichtigen ökonomischen Kostenfaktor dar. Nicht jedes Unternehmen ist in der Lage, steigende Inputkosten abzufedern. Besonders drastisch spüren Häuslebauer derzeit die Preissteigerungen. So sind allein die Preise für Konstruktionsvollholz im Frühjahr um rund 100%, die für Dachlatten gar um 130% gestiegen. Und dies sind nur einige wenige Beispiele. Wir haben gehört, dass bereits Prämien ausgelobt werden sollen für Kunden, die ihre Fertighausbestellungen stornieren.

Die Preissteigerungen haben ihre Ursache jedoch nicht nur in einer hohen Nachfrage. Viel bedeutender scheinen momentan Probleme auf der Angebotsseite. Ein bedeutender Engpassfaktor scheinen die Kapazitäten im Container-Frachtverkehr. Über den Branchendienst Freightos kann man die Kosten für die Verschiffung von Containern und anderen Gütern verfolgen.

So ist der globale Index für die Container-Verschiffung allein in der Woche vom 23. auf den 30. Juli um 32% (!) auf 8.848 USD angestiegen, wenngleich auch aufgrund einer rückwirkenden Neuberechnung. Am 1. Januar 2021 lag dieser Index noch bei 3.448 US-Dollar. Betrachten wir die regionalen Indizes, dann fällt vor allem die Route von China nach USA auf. Hier haben sich die Kosten Ende Juli in einer Woche gar verdoppelt, von 6.564 US-Dollar auf 13.666 US-Dollar. Anfang 2021 lag der Wert von bei 4.195 US-Dollar.

Aber auch für Güter nach Europa haben sich die Container-Kosten seit Jahresbeginn stark erhöht. Auf der Route China zum Mittelmeer messen wir Preissteigerungen von 5.935 US-Dollar auf 11.931 US-Dollar

Zwar spielen die Frachtkosten traditionell nur eine untergeordnete Rolle in den Kalkulationen. Preissprünge von mehr als 100% in einem Jahr sind jedoch sehr wohl kalkulatons-relevant. Wie die EZB davon auszugehen, dass die aktuellen Preissteigerungen nur vorübergehender Natur sind, erscheint uns optimistisch.

Denn die Transportkosten steigen wohl auch wegen einem Mangel an Transportkapazitäten. Es gibt sicher genügend Schiffe, doch die fahren aktuell nicht. Der "Baltic Dry Vessel underway" Index, der nahezu in Echtzeit angibt, wie viele große Transport-Schiffe auf See sind, zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz zur Weltwirtschaftsdynamik und zu den Aktienkursentwicklungen (siehe Chart).

Normalerweise deutet eine solche Abkopplung auf ein nachlassendes Konjunkturmomentum an. Aktienkurse werden demnach von einem Wirtschaftsabschwung "überrascht". Das scheint derzeit jedoch nicht der Fall. Vielmehr werden die Schiffe aus anderen Gründen, z.B. aufgrund von Pandemieeindämmungsmaßnahmen in China oder Unglücken, wie vor einigen Wochen im Suez-Kanal, daran gehindert, beladen und auf See geschickt zu werden. Die hohe Nachfrage treibt bei begrenztem Angebot die Preise.

Gleichzeitig besteht die Gefahr, und auch das wird bereits berichtet, dass zu Teilemangel und Lieferverzögerungen kommt. Diese wiederum können manchmal kostentreibend durch Ersatzproduktionen aufgefangen werden. Wo dies nicht gelingt, stehen Bänder still.

Diese Trends, die wir hier beschreiben, entwickeln sich demnach zu bedeutenden Risiken für die Gewinne der Unternehmen und die Stabilität der konjunkturellen Erholung. Ein effizienter Markt muss eigentlich höhere Schwankungen und damit niedrigere Bewertungen einpreisen. Beides findet aktuell, u.a. aufgrund der sehr expansiven Geldpolitik, nicht in dem Maße statt, wie es sein müsste. Daraus zu schließen, dass es diese Anpassungsrisiken gar nicht gibt, wäre jedoch unserer Ansicht nach leichtsinnig.

Im deutlichen Rückgang des Grundvertrauens zu Aktien in China und dem inzwischen auch eine Korrektur der Aktienpreise zeigen sich möglicherweise genau diese Risikoeffekte bereits, die wir auch als Trigger für Sommer-Volatilität an unseren heimischen Aktienmärkten sehen.

Der Blick auf das Risikoradar

Im Risiko-Radar messen wir weiter nur relativ geringe Ausschläge. Für US-Aktien werden moderate Risiken angezeigt. Insgesamt stehen die Aktien aber aufgrund des skeptischen Sentiments relativ gut da. Größere Rückschlagsgefahren zeigt das Risikoradar aufgrund der übergekauften Markttechnik bei Bonds an.

sentix Risikoradar - Veränderungen im Risikomix der Anlagen

Realzinsen USA und Goldpreis

Wir bleiben entsprechend unserer insgesamt defensiven Anlagestratgie im Aktienbereich treu. Wie im letzten Monat an dieser Stelle ausgeführt erwarten wir eine saisontypisch erhöhte Volatilität. Neben den skizzierten Risikofaktoren sind die Wochen vor einer Bundestagswahl meist von rückläufigen Aktienkursen geprägt. Auch dies ein weiteres Puzzleteil in unserer Aktienausrichtung.

Der abschließende Blick auf Anleihen, Währungen und Gold

Und Bonds sind für uns damit weiter nicht interessant. Neben der technischen Verfassung ist es vor allem das oben beschriebene Inflationsumfeld, welches Anleihen auf gegenwärtigem Zinsniveau unattraktiv erscheinen lassen. Für Gold stellt das Inflationsumfeld dagegen eine starke Unterstützung. Die Grafik oben zeigt die Realzinsen in den USA im Verhältnis zum Goldpreis. Die hohe Inflation bei gleichzeitig niedrigem Zinsniveau drückt die Realzinsen ins Minus (in der Grafik ist die Achse invertiert!) und dies sollte sich über kurz oder lang positiv auf die Goldpreisentwicklung auswirken.

Im Währungsbereich liegen uns nach wie vor keine starken Signallagen zur Umsetzung vor.

 


Wie sich unsere Fonds in diesem Umfeld positionieren und wie die Entwicklung im abgelaufenen Monat war, erfahren Sie je nach Fonds hier:

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