Strategie April 2020

Die Angst der Investoren von Anfang März hat sich im Monatsverlauf zur Corona-Panik gesteigert. Folgt nun ein Rebound oder folgt die Depression?

Risiko-Radar zeigt Chancen an

Der März 2020 brachte eine einzigartige Verwerfung an den globalen Aktienmärkten. Nie zuvor verlor der Aktienmarkt so viel in so kurzer Zeit. Selbst der Sommer-Crash 2011, bis dato der "schnellste Crash" der deutschen Aktien-Geschichte, wurde noch in den Schatten gestellt. Vergleiche mit früheren Abwärtsbewegungen sind kaum möglich. Auf der Suche nach annähernd ähnlichen Bewegungen sind nur noch die Lehman-Krise 2008 und der "black friday" in den USA 1929 zu nennen.

Damit sollte schon klar sein, dass wir es mit einer außergewöhnlichen Marktlage zu tun haben, die eine schnelle Rückkehr zur Normalität nicht erwarten lässt. Dennoch verlaufen selbst die schlimmsten Krisen nicht geradlinig. Auch in den großen Depression, die in den USA auf den 1929er Crash folgte, kam es immer wieder zu Zwischenerholungen mit Kursgewinnen von bis zu 30%.

Um solche Chancen auch in einem Bärenmarkt auszuloten, nutzen wir unser sentix Risiko Radar. Dieses ermittelt auf quantitativer Basis Chancen- und Risiko-Potentiale an den Märkten, die sich aus Übertreibungen und einseitigen Stimmungslagen ergeben. In diese Indikatoren gehen neben der Stimmung u.a. auch die Positionierung und markttechnische Faktoren ein.

sentix Risikoradar - Chancen- und Risiko-Potentiale

sentix Konjunktur Gesamtindex - Euroland

Am aktuellen Rand messen wir deutliche Chancen bei Aktien und Rohöl. Mit rund +1,6 Standardabweichungen für deutsche Aktien haben wir ein Niveau erreicht, welches 2002, 2008 und 2011 zumindest temporäre Zwischenerholungen ermöglicht hat. Dies erwarten wir auch jetzt, zumal der April als einer der saisonal starken Monate gilt. Zugegebenermaßen beruht die Stärke des April auf der Zahlung von Dividenden, welche in den nächsten Monaten wohl in erheblichem Umfang ausfallen werden. Deshalb wird es wohl ein unterdurchschnittlicher April werden.

Getrieben von Hoffnung

Statt Dividenden könnte der April im Zeichen der Hoffnung stehen. Bekanntlich ist das Osterfest ja für die Christen das Fest der Hoffnung, Hoffnung auf eine Wiederauferstehung - auf ein Leben nach dem Tod. Im übertragenen Sinne könnte eine Lockerung der umfangreichen Einschränkungen der Bürger im privaten und wirtschaftlichen Leben die Hoffnung auf eine "Wiederauferstehung der Wirtschaft" beflügeln.

Eine solche von Hoffnung getriebene Markterholung ist typisch für einen Bärenmarkt. Auf einen ersten Einbruch, der die Anleger unvorbereitet trifft, folgt oftmals eine Gegenbewegung, in der die Anleger hoffen, dass eine Rückkehr zum vorhergehenden Zustand doch noch möglich ist. Psychologisch ist diese Phase kaum von dem Beginn eines neuen Bullenmarktes zu unterscheiden. Am einfachsten gelingt die Einordnung, wenn man auf die im Mainstream verwendeten Vokabeln schaut: dominieren eben Begriffe wie "Hoffnung", "Rückkehr zur Normalität", "Korrektur der negativen Übertreibung" ist Vorsicht angebacht.

Auf die erste Panik folgt die Hoffnungs-Rallye. Der April dürfte für Aktionäre besser enden als der März. Click to Tweet

Denn auf eine solche Hoffnungs-Rallye folgt Teil 2 des Bärenmarktes, in dem die Anleger das ganze Ausmaß des Problems "erkennen" und "verstehen" und deshalb auch die Potentiale des Bärenmarktes abzuschätzen lernen. Haben in der ersten Welle nur diejenigen verkauft, die mit festen Stop-Loss-Regeln bzw. anderen schematischen Risikobegrenzungen gearbeitet haben, folgen in der zweiten Welle auch diejenigen, die eher diskretionär entscheiden und für die die erste Welle viel zu schnell verlaufen ist, um sich anzupassen.

Dennoch sollte man das Potential einer solchen Hoffnungs-Rallye nicht unterschätzen. Vor allem, da wir derzeit eine insgesamt defensive Aufstellung der Portfolien im professionellen Bereich messen können.

Anleihen bleiben belastet

Wer sein Heil als Anleger in den letzten Wochen bei den "sicheren" Anleihen gesucht hat, wurde ebenfalls enttäuscht. Während Unternehmensanleihen und auch andere Segmente schwächerer Bonität aus naheliegenden Sorgen vor möglichen Zahlungsproblemen unter die Räder kamen, dürfte die Schwäche der Staatsanleihen bester Bonität, vor allem der Bundesanleihen, eher überrascht haben. Daran dürfte sich in den nächsten Wochen aus unserer Sicht nicht allzu viel verändern. Zu deutlich ist, dass die Staaten in ihrem verzweifelten Bemühen, die ärgsten Folgen des wirtschaftlichen Shutdowns abzufedern, jegliche Schuldendisziplin über Bord werfen.

Die Gefahr eines Wiederaufflammen der Euro-Krise, wie es unser Euro Break-up Index anzeigt, dürfte den Druck auf bonitätsstarke Länder wie Deutschland verstärken, zumindest teilweise in Haftungsgemeinschaften mit schwächeren Staaten einzutreten. Solidarität wird auf allen Ebenen eingefordert und trifft auch in wirtschaftlichen Fragen in der Politik mehr und mehr auf offene Ohren.

In Verbindung mit einer sehr expansiven Notenbankpolitik scheint der Weg in eine sehr inflationäre Welt vorgezeichnet. Kurzfristig dominieren zwar deflationäre Impulse, vor allem vom Rohstoffmarkt. Doch der Stillstand in der Weltwirtschaft wird sich nicht so schnell auflösen lassen, wie es viele Protagonisten jetzt noch gerne glauben möchten. Es könnte also in den nächsten Monaten in einzelnen Segmenten zu signifikanten Einschränkungen in der Güterversorgung kommen, was eine Trendwende bei der Inflation bewirken dürfte.

Für uns bleiben Bonds Ballast.

Contrarian-Chancen bei Öl, Merkwürdiges bei Gold

In der Publikation "Indikator im Fokus" unseres Schwesterunternehmens sentix GmbH, die Sie hier kostenfrei abonnieren können, haben wir auf die konträren Chancen bei Öl hingewiesen. Diese haben sich jüngst durch eine gewisse Verständigung zwischen Russland und Saudi-Arabien, die Produktion zu kürzen, bereits materialisiert. DIe Erholungsbewegung dürfte jedoch nicht abgeschlossen sein und Kurse von 40 USD im Brent scheinen erreichbar.

Gold-Anleger machen derzeit eine geteilte Erfahrung. Einerseits behauptet sich Gold gut und konnte sich als bester Diversifikator, wie von uns erwartet, beweisen. Andererseits zeigt die Preisgestaltung der Edelmetallhändler, dass es der Besitz von physischem Gold nicht zwingend ermöglicht, aus einer Krisensituation Kapital zu schlagen. Wir haben dies in einem kritischen Blog hier näher erläutert. Über ETC u.ä. Produkte mit Auslieferungsanspruch sollte es jedoch auch weiterhin möglich sein, sein Depot "gut und stetig" zu diversifizieren.

 


Wie sich unsere Fonds in diesem Umfeld positionieren und wie die Entwicklung im abgelaufenen Monat war, erfahren Sie je nach Fonds hier:

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