Ölpreisschock und „Angst ohne Angst“ an den Märkten
Der Ölpreisschock infolge der Eskalation im Nahen Osten sorgt für neue Unsicherheit an den Finanzmärkten. Während das Sentiment kurzfristig deutliche Angstsignale sendet, bleiben professionelle Anleger strategisch erstaunlich gelassen. Genau in dieser Diskrepanz – einer Art „Angst ohne Angst“ – könnte der Schlüssel für die nächsten Marktbewegungen liegen.

Strategische Einschätzung (März 2026)
In die Strategie fließen mittelfristige Indikatoren ein, deren Veränderungen einen Prognosezeitraum von 6-9 Monaten abdecken. Wir betrachten hierbei die Ebenen Makro (Konjunktur), Risikoradar, Saisonalität sowie Marktbreite / technische Faktoren.
Makro: Ölpreis als neuer Unsicherheitsfaktor
Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten hat in den vergangenen Wochen deutliche Spuren im globalen Konjunkturbild hinterlassen. Vor allem der kräftige Anstieg der Ölpreise sorgt dafür, dass Inflationssorgen wieder stärker in den Vordergrund rücken. Entsprechend hat sich das Bild in den sentix Konjunkturindizes zuletzt eingetrübt. In Euroland ist der Gesamtindex wieder in den negativen Bereich gefallen, während auch in Deutschland die Erwartungswerte deutlich zurückgingen. Die zuvor sichtbaren Stabilisierungstendenzen stehen damit wieder zur Disposition.
In den USA präsentiert sich die aktuelle Konjunkturlage weiterhin robust. Allerdings haben auch hier die Erwartungswerte zuletzt nachgegeben. Dies deutet darauf hin, dass der Ölpreisschock zunehmend als Risiko für die weitere wirtschaftliche Dynamik wahrgenommen wird.
Global betrachtet fällt insbesondere der Rückgang der Erwartungswerte auf. Diese haben sich deutlich abgeschwächt und reflektieren damit die wachsende Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen steigender Energiepreise.
„Steigende Ölpreise sind selten ein Geschenk für die Weltkonjunktur“
Für die Notenbanken entsteht damit eine unangenehme Gemengelage: Steigende Energiepreise könnten den Inflationsdruck wieder erhöhen, während gleichzeitig die konjunkturelle Dynamik an Schwung verliert. Für die Kapitalmärkte bedeutet dies ein Umfeld, in dem hohe Bewertungen und ein fragiler Makrotrend zunehmend schwerer miteinander zu vereinbaren sind.
Einen vollständigen Report zum sentix Konjunkturindex können Sie hier abrufen
Risikoradar: Chancen bei Aktien – Vorsicht bei Rohstoffen
Im sentix Risikoradar zeigt sich aktuell ein gemischtes Bild über die verschiedenen Anlageklassen hinweg.
Im Aktiensegment überwiegen weiterhin die Chancenindikationen, insbesondere bei US-Aktien. Vor allem Technologiewerte weisen nach den jüngsten Kursrückgängen wieder attraktivere Chancen-Risiko-Relationen auf. Deutlich anders stellt sich die Situation bei den Rohstoffen dar. Sowohl bei Gold als auch beim Rohöl signalisieren die Risikoscores inzwischen erhöhte Rückschlagsrisiken. Diese resultieren weniger aus fundamentalen Faktoren, sondern vor allem aus einer sehr guten Stimmung sowie einer kurzfristig überdehnten Marktlage.
Im Anleihebereich bleibt das Bild neutral. Das Risiko erneut steigender Inflationserwartungen begrenzt aber das Potenzial für fallende Renditen.
Chart: sentix Risikoradar (Stand 07.03.2026)
Saisonalität: Die „Iden des März“ als möglicher Wendepunkt
Unter saisonalen Gesichtspunkten befindet sich der Aktienmarkt derzeit in einer Phase, die historisch häufig von erhöhter Volatilität geprägt ist. Viele Aktienindizes weisen statistisch eine Schwächeperiode bis etwa Mitte März auf. Erst danach verbessert sich das saisonale Umfeld in der Regel wieder deutlich.
Ein wichtiger Zeitpunkt in diesem Zusammenhang sind die sogenannten „Iden des März“. Dieser Termin fällt traditionell in die Nähe des großen März-Future-Verfalls – dem ersten Freitag nach dem 14. März – und markiert häufig einen Wendepunkt in der Marktstruktur.
Historisch betrachtet folgt auf diese Phase meist eine freundlichere Entwicklung der Aktienmärkte im Frühjahr.
Auch bei Rohstoffen und Edelmetallen zeigen sich typische saisonale Muster. Während Rohöl derzeit weiterhin von einer saisonalen Stärkephase unterstützt wird, befindet sich Gold statistisch häufig in einer Konsolidierungsphase, bevor eine neue Aufwärtsbewegung einsetzen kann.
Taktische Signale
Über das Sentiment und den Strategischen Bias erhalten wir kurzfristige Signale für die Märkte. Diese decken einen Prognosezeitraum von 6-12 Wochen ab und werden modell-orientiert bewertet.
Die jüngste geopolitische Eskalation hat deutliche Spuren im Anlegerverhalten hinterlassen. Die Stimmung an den Aktienmärkten ist innerhalb kurzer Zeit massiv eingebrochen und hat damit ein Niveau erreicht, das statistisch bereits dem konträren Bereich zuzuordnen ist. Solche Sentimentextreme bilden häufig den Ausgangspunkt für Gegenbewegungen.
Chart: sentix Sentiment und Strategischer Bias (Institutionelle) Aktien Deutschland
Gleichzeitig zeigt sich auf der strategischen Ebene ein bemerkenswertes Gegenbild: Das mittelfristige Grundvertrauen vieler professioneller Investoren bleibt erstaunlich stabil – in einigen Bereichen sogar steigend. Diese Konstellation lässt sich aus behavioristischer Sicht treffend als „Angst ohne Angst“ beschreiben. Kurzfristig reagieren Anleger emotional auf geopolitische Risiken, während sie strategisch weiterhin davon ausgehen, dass es sich um ein überschaubares Ereignis handelt.
Genau darin liegt jedoch auch die potenzielle Sollbruchstelle dieser Marktphase. Sollten die makroökonomischen Folgen steigender Ölpreise unterschätzt werden, könnte gerade bei den bislang gelassenen Profiinvestoren ein Anpassungsbedarf entstehen.
„Die Anleger zeigen derzeit Angst – allerdings ohne ihre strategischen Überzeugungen wirklich infrage zu stellen“
Regional zeigen sich ebenfalls interessante Verschiebungen. Während das strategische Vertrauen in US-Aktien – insbesondere im Technologiesektor – gestiegen ist, wenden sich Anleger zunehmend von China-Aktien ab. Offenbar erwarten viele Marktteilnehmer, dass die geopolitische Zuspitzung eher den USA als Energieproduzenten zugutekommt, während China stärker unter möglichen Versorgungsrisiken leiden könnte.
Am Rohstoffmarkt messen wir gleichzeitig extrem ausgeprägte Stimmungswerte. Besonders beim Öl hat die Stimmung historische Höchststände erreicht, während das strategische Grundvertrauen deutlich zurückgegangen ist. Eine solche Kombination ist selten nachhaltig und deutet statistisch darauf hin, dass ein Ölpreis-Hoch näher sein könnte, als es die aktuelle Nachrichtenlage vermuten lässt.
Zusammenfassung und aktuelle Positionierung
Die strategischen und taktischen Signale werden additiv berücksichtigt und ergeben die finale Positionierung, welche sich in den sentix-Fonds wiederfinden.
Im Aktienbereich bleiben wir derzeit weiter defensiv positioniert, bereiten uns jedoch auf einen möglichen Wiedereinstieg vor. Die aktuellen Sentimentdaten deuten darauf hin, dass sich taktische Chancen herausbilden könnten. Bei Anleihen haben wir keine Veränderungen vorgenommen. Die Portfolioduration bleibt weiterhin sehr kurz und liegt unterhalb eines Jahres, da wir im aktuellen Umfeld kein überzeugendes Chance-Risiko-Verhältnis erkennen.
Im Währungsbereich halten wir unverändert an unserer strategischen Erwartung einer Yen-Befestigung fest. Im Rohstoffsegment haben wir bereits im Februar erste antizyklische Rückkäufe bei Gold und Silber vorgenommen. Diese Positionen befinden sich weiterhin im Portfolio.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die aktuelle geopolitische Verunsicherung tatsächlich nur eine kurzfristige Marktirritation bleibt – oder ob sie sich stärker in den makroökonomischen Daten niederschlägt. Gerade rund um die saisonal wichtige Phase der „Iden des März“ könnte sich daher entscheiden, ob die Märkte in die typische Frühjahrsstärke zurückfinden.
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