Strategie September 2019

Nachdem der August der erwartet anspruchsvolle und volatile Börsen-Monat geworden ist, fragen sich viele Anleger, ob der September ebenfalls seinem Ruf als schwacher Aktienmonat gerecht wird. Ein Blick auf das sentix Risikoradar zeigt jedoch, dass die Lage hier zumindest kurzfristig besser ist, als die Saisonalität befürchten lässt.

Negative Erwartungen überzogen?

Die Anleger sind inzwischen über die weitere konjunkturelle Entwicklung sehr besorgt. Ein Indiz hierfür ist das Suchverhalten im Internet. Mit Hilfe der Funktion der Google Trends lässt sich dieses Suchverhalten analysieren. In den USA suchen die Menschen inzwischen ähnlich oft nach dem Wort "Rezession" wie im Jahr 2008. Gleichzeitig enttäuschen die jüngsten Daten, wie der ISM Index für das verarbeitende Gewerbe oder das US Konsumentenvertrauen. Es besteht also durchaus Grund zur Besorgnis.

Mit Blick auf die sentix Konjunkturerwartungen ist dies jedoch keinesfalls eine neue oder gar überraschende Entwicklung. Vielmehr befindet sich die wirtschaftliche Dynamik bereits seit rund 18 Monaten im Rückgang. Die aktuelle Angst der Menschen könnte demnach einen gewissen Endpunkt der Bewegung bedeuten. Denn Empörung über eine Entwicklung ist sentimenttechnisch eher in der Spätphase einer Bewegung typisch.

Auch die jüngsten Daten aus dem Reich der Mitte geben eher Anlass zur Hoffnung. Hier zeichnet sich eine überraschend große Diskrepanz zwischen den sentix Konjunkturindizes und den jüngst veröffentlichten Daten (Caixin PMI) ab. In Verbindung mit dem Dreh im Strategischen Bias zu chinesischen Aktien könnte hier tatsächlich bereits ein Boden für Aktien bereitet sein.

sentix Risikoradar

sentix Konjunkturindex Euroland, Aktienmarkt und Zinsentwicklung

Taktische Chancen

Klar ist, dass wir uns noch immer in einer saisonal schwierigen Phase befinden. Ein Börsen-Bonmot besagt, "sell in May but remember to come back in September". Ein Schlüsseldatum ist der so genannte "Labor Day" Feiertag in den USA, der immer am ersten Montag des September gefeiert wird und das Ende der Urlaubssaison in den USA markiert. Genau genommen müsste es aber heißen, "come back end of September". Denn unsere Untersuchung des saisonalen Musters zeigt, dass es noch weiterer 20 Handelstage nach dem "Labor day" bedarf, ehe sich die Auftriebskräfte wieder stärker entfalten.

Nichtsdestotrotz zeigt unser Risikoradar (siehe Chart oben), dass schon heute vor allem für Aktien in Europa Chancen angezeigt werden. Zwei Faktoren sind hierfür hauptsächlich verantwortlich: zum einen die relativ gedrückte Stimmung und zum anderen, die moderate Unterinvestierung der Anleger.

Ein dritter Faktor könnte verstärkt in den Anlegerfokus geraten. Und dieser ergibt sich aus unserer zweiten Grafik, die wir vorstehenden veröffentlich haben. Das Chart zeigt drei Linien: Zum einen die Entwicklung des Euroland-Aktienmarktes (STOXX 600), die Entwicklung der langfristigen Zinsen für Bundesanleihen sowie die sentix Konjunkturerwartungen für Euroland.

Auffällig ist die Schere zwischen Aktienmarkt und Konjunkturerwartungen. Diese implizieren für Aktien eine gewisse Fallhöhe, da die Kurse bislang nur sehr wenig auf die Verschlechterung im konjunkturellen Umfeld reagiert haben. Andererseits lohnt jedoch auch der Blick auf den Rentenmarkt. Denn dieser liefert womöglich den Grund für die Stabilität des Aktienmarktes. Denn die Zinsen für Bundesanleihen liegen bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren im negativen Bereich. Mit anderen Worten: der Anleihemarkt scheidet als Generator von Stabilität und Ertrag auf lange Sicht völlig aus.

Kein Wunder, dass Investoren, die schon länger in Aktien engagiert sind und bereits in den Genuß von Dividenden gekommen sind, diese Generatoren von regelmäßigem Einkommen nicht "nur" wegen einer zyklischen Schwäche veräußern wollen. Es fehlt schlicht die Anlagealternative. Zudem führt das niedrige Zinsniveau zu einer massiven Kostenentlastung bei vielen Unternehmen. Diese wirkt zwar schon seit einigen Jahren, ist aber noch immer nicht völlig eingepreist.

Es steht der Aktienmarkt, mit einer Bewertung der ca 15fachen Gewinne, einem Rentenmarkt, mit einer unendlichen Bewertung, gegenüber. Hinzu kommt, dass sollte die EZB ihre Zinspolitik ausweiten und den Einlagezins weiter, z.B. auf -0,6% absenken, die Wahrscheinlichkeit immer größer wird, dass Banken diesen Kostenfaktor an die Kunden weiterreichen. Dies würde zwar auch weiterhin wohl eher Einlagen ab € 100.000,-- betreffen. Die Wirkung negativer Zinsen, also dem sichtbaren Verlust für den Sparer durch die Negativzinspolitik, sollte man jedoch nicht unterschätzen. Zwischen null Zinsen und negativen Zinsen besteht ein immenser psychologischer Unterschied. Kapital dürfte mehr und mehr in Bewegung kommen, so dass sich die relativ Stabilität der Aktien auch genau aus dem Umstand ergeben dürfte, dass strategisch der Anteil von Aktien in kleinen, aber stetigen Schritten erhöht wird. Im Jargon der institutionellen Anleger würde man sagen: die Benchmarks enthalten immer mehr Aktien - und zu diesen immer aktienlastigeren Benchmarks sind die Anleger unterinvestiert.

Damit ist auch klar, welches Kurspotenzial in Aktien schlummern dürfte, sollte die laufende konjunkturelle Schwächephase auslaufen oder zumindest eine Pause einlegen. Markante charttechnische Widerstände (DAX 12.400; STOXX600 400) könnten nach oben gebrochen werden und den Anlegern im vierten Quartal eine überraschend positive Wertentwicklung bescheren. Der negative Zins würde es möglich machen!

Anleihen und Gold auf der Verkaufsliste

Eine klare Haltung nehmen wir deshalb zu Anleihen ein. Der Rentenmarkt ist in den letzten Wochen so richtig heißgelaufen. Im Falle von Bundesanleihen haben wir ein Bewertungsniveau erreicht, welches diese Anlageklasse völlig unattraktiv und stark anfällig für Korrekturen macht. Entsprechend haben wir hier sogar eine negative Duration allokiert. Allenfalls US-Bonds weisen aus unserer Sicht aufgrund der nach wie vor bestehenden Unterinvestierung der Anleger noch gewisse Kurschancen auf.

Auch bei Gold und Silber messen wir inzwischen sehr hohe Risiken, die hier jedoch eher taktischer Natur sind. Entsprechend haben wir unsere Edelmetallpositionen vollständig veräußert und suchen in einer Korrektur einen günstigeren Zeitpunkt für einen erneuten Einstieg.

 


Wie sich unsere Fonds in diesem Umfeld positionieren und wie die Entwicklung im abgelaufenen Monat war, erfahren Sie je nach Fonds hier:

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